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Vom Sektionswärter zum Präparator
Von Prof. Dr. med. Ulrich Zollinger , Direktor a.i.,
Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern
Als ich vor 29 Jahren als junger Assistenzarzt meine ersten Schritte in der damaligen Gerichtsmedizin in Zürich gemacht habe, wurde mir von den älteren Assistenten klar gemacht, dass „da unten“, d.h. im Sektionssaal nicht der Institutschef oder der Oberarzt sagen, wo's durchgeht, sondern die „Sektionswärter“. So wurden damals die Präparatoren genannt. Ihre Aufgabe war unter anderem, den Aerzten bei den Sektionen zu „helfen“. Das beinhaltete die Eröffnung des Schädels mit der Kreissäge (unter erheblicher Knochenstaubemission), den Tisch sauber zu halten und am Schluss alles wieder zuzunähen. Die Organentnahmen erfolgten fast ausschliesslich durch die Obduzenten, aber unter kritischem Blick und nicht selten spitzen Bemerkungen der Wärter. Neben den Sektionen erledigten die Wärter alle Arbeiten im Zusammenhang mit den Leichen und waren auch allein, d.h. ohne Hilfe der Bestatter, für die Einsargung zuständig. Das Vorzeigen von Leichen zwecks Abschiednahme durch die Angehörigen wurde oft mit der Bemerkung verhindert, der Leichnam sehe nicht so schön aus und man solle die verstorbene Person doch so in Erinnerung behalten, wie sie zu Lebzeiten war. Zwischendurch beschäftigten sich die Wärter mit der Herstellung kunstvoller Schau-Präparate. Im Vordergrund standen damals noch Feucht-Präparate in Glas-Kuvetten. Im Gegensatz zu heute war der Samstag - Vormittag ein Arbeitstag mit reduzierter Mannschaft. Während damals schon Ärztinnen begannen, sich mit Rechtsmedizin zu beschäftigen, waren Frauen bei den Wärtern undenkbar...
Wie sich doch die Zeiten geändert haben! Heute arbeiten wir am Samstag nur in Notfällen, der Frauenanteil unter den Rechtsmedizinern ist ständig am steigen und bei unserer Arbeit stehen an unserer Seite hervorragend ausgebildete, eidgenössisch geprüfte und sehr kompetente Präparatorinnen und Präparatoren. Sie sind aus unserem zusammengeschweissten Team nicht mehr wegzudenken, sie führen auf konstruktive Art die jungen Assistenten in ihre Arbeit ein und stehen ihnen väterlich/mütterlich zur Seite. Bei den Obduktion arbeiten sie mit den Aerzten Hand in Hand. Mit Ausnahme der Organpräparation müssen sich Arzt und Präparator jederzeit ersetzen können. Dennoch sind uns die Präparatoren in Vielem überlegen. Sie sind aber auch anderweitig tätig, führen Datenbanken, in denen man jedes Asservat wirklich wieder findet, fotografieren (meist besser als wir) röntgen und entwickeln die Röntgenbilder selbständig, und scannen Bilder ein. Am IRM Bern bedienen sie seit kurzem den Computertomografen, mit dem der Leichnam vor der Obduktion durchgescannt wird, damit man nachher die Sektionsbefunde direkt mit den CT-Bildern auf dem PC vergleichen kann. Sie bereiten Leichname, die wir früher niemals den Angehörigen gezeigt hätten, einfühlsam für das Abschiednehmen vor und sie und wir haben gelernt, dass dies ein so wichtiger Schritt ist, dass man niemanden davon abhalten sollte. Etwas in den Hintergrund gerückt ist zumindest in der Rechtsmedizin die Herstellung von Feuchtpräparaten, denn die grossen Studentenzahlen erfordern eine Präsentationsart mit Bildern. Nach wie vor bedeutungsvoll ist die Knochenpräpration, die immer weiter perfektioniert wurde. |
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